Senefelder-Schule

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Fächer Deutsch Lesungen Marionettentheater 2019

Marionettentheater 2019

Der Mann, der die Fäden in der Hand hält

Gespannt strömten 126 Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen aller Schularten am 19. Juli in den Raum I/01, um dort ein ganz besonderes Theater zu erleben - hatte doch das Marionettentheater „Bille“ aus Leipzig den Weg in die Sene gefunden, um das Märchen „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ aufzuführen.

Die Geschichte des Marionettentheaters geht bis ins Altertum zurück, wo man bereits mit Gliederpuppen spielte. Aber auch Andreas Bille, der „Direktor“, Puppenspieler, Sänger und Sprecher aller Puppen seines Theaters kann auf eine lange Tradition zurückschauen, ist dieses doch seit 1637 im Familienbesitz und damit Deutschlands ältestes Marionettentheater.

Während die Älteren unter uns sich sicher noch an die nach wie vor existierende Augsburger Puppenkiste erinnern können und mit Freude an „Urmel aus dem Eis“, „Jim Knopf“ und „Kleiner König Kalle Wirsch“ denken, war diese Art des Theaters für unsere jungen Schülerinnen und Schüler völliges Neuland. Gebannt und fasziniert verfolgten sie daher die Handlung des Märchens der Gebrüder Grimm. Vier Mal wurden während der Vorstellung die Kulissen gewechselt, sodass die jungen Zuschauer ein paar Minuten Zeit hatten, sich über das eben Erlebte auszutauschen, bis der Gong den nächsten Akt einläutete. Während des Spiels war es mucksmäuschenstill und die neuen Szenenbilder und Figuren wurden jeweils mit überraschten Ausrufen bestaunt. Man merkte richtig, wie die Kinder in das Geschehen eintauchten und mit Peter, der Hauptfigur, mitfieberten. Begeistert waren sie aber vor allem von der Großmutter des Teufels, der Herr Bille eine ganz besondere Stimme gab.

Nach 60 Minuten war die Vorstellung zu Ende, doch hatten die jungen Zuschauer noch viele Fragen an Herrn Bille, die er mit großer Geduld beantwortete und dafür sogar alle Figuren noch einmal hervorholte, um zu zeigen, dass - bis auf ein Geräusch für die fliegenden Teufel - sämtliche Stimmen von ihm gekommen waren. Ganz besonders interessierten sich die jungen Besucher für die Technik, die hinter den Bewegungen der Marionetten steht. Auf die Frage, wieviel Marionetten er denn habe, nannte er die Zahl 200, davon sind die ältesten ca. 70 Jahre alt. Eine neu angefertigte kostet zwischen 2500,- und 4000,- Euro. Eineinhalb Stunden braucht Herr Bille vor jeder Vorstellung, um sein Ein-Mann-Theater aufzubauen, welches in mehreren Koffern untergebracht ist. Er stellt eine richtige kleine Theaterbühne auf, die auf die Größe der Marionetten zugeschnitten ist.

Dass sich dieser Aufwand auch in der heutigen digitalisierten Welt lohnt, zeigte das hohe Interesse der Schülerinnen und Schüler, das sich durch die konzentrierte Stille während der Aufführung sowie durch schlaue und gezielte Fragen im Anschluss offenbarte. Für alle Beteiligten waren die Vorführungen ganz offenkundig ein besonderes Erlebnis, das im Gedächtnis bleiben wird.

Barbara Seubert

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