Senefelder-Schule

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Schulleben sonstige Ereignisse Besuch des Kultusministers

Besuch des Kultusministers

Dr. Ludwig Spaenle besuchte Senefelder-Schule

„Kooperativ-Gedanken neu aufnehmen“

Der Kultusminister sprach nach dem gegenseitigen Austausch von einem „Erkenntnissprung“

TREUCHTLINGEN (hed) – „Die Erkenntnisse, die ich heute hier gewinnen konnte, werden in schulpolitische Prozesse einfließen“, resümierte der bayerische Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle bei seinem Besuch der Senefelder-Schule am Freitag. Nach einer Führung durch das Haus ließ er sich von den Schulleitern, dem Personalrat sowie den Eltern- und Schülervertretern über die spezielle Situation der kooperativen Gesamtschule informieren.

Besuch von Kultusminister Dr. SpaenleHintergrund des Besuches ist nicht zuletzt der erneute Versuch, das dreigliedrige Schulsystem „von unten nach oben“ und umgekehrt durchlässiger zu machen. Das bayerische Kabinett hat bekanntlich beschlossen, den Übertritt an weiterführende Schulen neu auszurichten. Fünfte Klassen sollen dabei künftig als sogenannte „Gelenkklassen“ fungieren. Die Idee dazu entstand bei den Koalitionsverhandlungen im Herbst mit der FDP. Diese war mit der Forderung nach einer sechsjährigen gemeinsamen Grundschulzeit in den Wahlkampf gezogen. Nun musste die CSU von ihrer als verhärtet geltenden Sichtweise einer vierjährigen Grundschulzeit etwas abrücken – die Gelenkklasse ist nun der Kompromiss hieraus. Sowohl an Haupt- und Realschulen als auch am Gymnasium soll die 5. Klasse künftig einen Puffer bilden und den Übergang von einer Schule auf die andere erleichtern.

Spaenle interessierte nun im Detail, wie sich das Zusammenspiel der drei Schultypen einer solch „besonderen“ Schule wie der „Sene“ gerade auch an den „Schnittstellen“ darstellt. Bei dem regen Austausch wurde schnell klar, dass ein Hauptproblem bei der sogenannten Durchlässigkeit der Schularten offenbar das teils völlig unterschiedliche Stoffangebot ist. So hätten beispielsweise Realschüler, die testhalber am Ende der 9. Klasse den „Qualifizierenden Abschluss“ machen wollen, offenbar massive Probleme im Fach Mathematik. Schließlich ist der „Quali“ eigentlich für die Hauptschule konzipiert worden. Ähnlich gehe es auch Schülern, die von einem Schultyp „nach unten“ auf einen anderen wechseln müssten, hieß es.

Schule als Instrument der Integration

Der Leiter des Hauptschulzuges, Helmut Spitzbart, und sein Amtskollege vom Realschulzug, Gabriel Lypp, machten im Beisein von Schulleiter Dr. Johannes Novotny, MdL Gerhard Wägemann und Landrat Franz Xaver Uhl aber gleichzeitig die Vorteile der Senefelder-Schule deutlich: Hier verblieben die Schüler, die – warum auch immer – die Schulart wechselten, weitgehend in ihrem gewohnten Umfeld – „nur eben einen Gang weiter“. Darüber hinaus gebe es an der Senefelder-Schule regelmäßige und schultypübergreifende Besprechungen und Zusammenkünfte, in denen sich die Lehrer gerade auch über diesen Themenkreis austauschten. Zudem seien die einzelnen Fachschaften hier ohnehin schulübergreifend angelegt. Insofern stelle die Struktur der Senefelder-Schule „ein immenses soziales Bindeglied dar“, wie auch Bürgermeister Werner Baum als Mitglied des Zweckverbandes Senefelder-Schule feststellte. (Das Stadtoberhaupt plädierte am Rande auch gleich noch dafür, diese Schule und ihren Sanierungsbedarf in München nicht zu vergessen.)

Was die sogenannte Gelenkklasse als eine Art Förder- und Intensivierungsinstrument angehe, so bräuchte es jedoch frei verfügbare und zusätzliche Förderstunden, um einerseits nachhängende Schüler voranzubringen bzw. „bessere“ Schüler nicht auf der Strecke zu lassen, so hieß es aus dem Kreis der Lehrer. Derzeit gebe es spezielle Förderstunden eigentlich nur für Schüler mit Migrationshintergrund.

Der Kultusminister nahm all diese Ausführungen mit großem Interesse, Wohlwollen und fast schon mit einer gewissen Euphorie auf. Er zeigte sich erwärmt vom Konzept der kooperativen Gesamtschule, räumte aber gleichzeitig ein, dass er sich mit Blick auf seine politische Heimat hierbei ein wenig zurücknehmen müsse. Trotz aller Sympathie für diese Schulart machte der Minister gleichzeitig aber auch klar, dass er – aus wirklicher Überzeugung – nach wie vor das dreigliedrige Schulsystem als differenziertes Angebot weiter voll vertrete. Am Ende gehe es ihm darum, diesen kooperativen Gedanken neu aufzunehmen, „ohne jedoch die einstigen und ideologisch stark eingefärbten Diskussionen neu führen zu wollen“. Wichtiger sei ihm für die Schüler „ein Bildungsweg der offenen Türen, bei dem der Lehrer als eine Art Schulweghelfer auftritt.“

Spaenle räumte im Weiteren ein, dass man das Konzept der „Sene“, die ihren Sonderstatus in Bayern bekanntlich mit nur wenigen anderen Schulen teilt, nicht auf das ganze Land übertragen könne.

Der 47-jährige Vater zweier Kinder versicherte den anwesenden Diskutanten jedoch, dass sie mit ihren Ausführungen und wiedergegebenen Erfahrungen bei ihm für einen „Erkenntnissprung“ gesorgt hätten und somit „in schulpolitische Prozesse eingreifen“. Er werde – nicht zuletzt auch mit Blick auf die angestrebte Neuausrichtung der Hauptschulen – von dem Gehörten „eine Menge mit nach München nehmen“.

Sieghard Hedwig

24.4.2009 14:56 MEZ     © TREUCHTLINGER KURIER