Senefelder-Schule

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Gymnasium im Urfaust

Auf Dr. Heinrich Faust, Mephisopheles (Mephisto), Margarete (Gretchen) und deren Nachbarin Marthe trafen die 10. und 11. Klassen der Senefelder Schule am Donnerstag, dem 16. April 2015, im Kulturzentrum Karmeliterkirche in Weißenburg. Dort gab es Goethes Urfaust zu sehen, gespielt vom Theatro-Liebido aus München.

Das Besondere an der von 106 Schülerinnen und Schülern und sieben Deutschlehrkräften besuchten Aufführung bestand darin, dass der Münchner Schauspieler, Regisseur, Intendant und Theaterlehrer Michael Jaques Lieb alle Personen selbst spielte und sein Publikum interaktiv mit ins Geschehen einbezog. Der größte Teil des in seiner ursprünglichen Sprache dargebrachten Stückes spielte sich nicht auf der Bühne ab, sondern vor, neben, hinter und zwischen den Zuschauern. So kniete sich Lieb des urfaust plakatÖfteren vor etwas verdutzt dreinblickenden Schülerinnen hin und machte ihnen als Dr. Faust seine Aufwartung. Manch junger Mann wurde dagegen etwas barsch von ihm angesprochen, was die Mehrheit der Klassenkameraden zum Schmunzeln brachte, hatte er sich doch oft den „Richtigen“ ausgesucht.

Dr. Faust war übrigens nicht nur der holden Weiblichkeit zugetan, sondern auch dem Alkohol. So ließ er es sich nicht nehmen, in der Szene „Auerbachs Keller“ eine Flasche Rotwein zu entkorken und drei jungen Damen und auch dem in der letzten Reihe sitzenden „Professor“ ein Glas zu kredenzen. (Nach Absprache der Deutschlehrer mit Herrn Lieb wurde allerdings nur roter Traubensaft verteilt)

Zuschauer, die den Urfaust, die kurze Urfassung des späteren Faust, nicht kannten, hatten besonders im ersten Teil der Aufführung ihre Schwierigkeiten, das Dargestellte zu verstehen. Das lag daran, dass Dr. Faust und Mephisto zwei Männer sind, deren Tonalität (Klang der Stimme) nicht sehr unterschiedlich ist. Doch war derjenige im Vorteil, der den Stoff kannte und deshalb wusste, wer jetzt sprach. Auch die vor ca. 200 Jahren in literarischen Werken (hier: Sturm und Drang) benutzte Sprache unterscheidet sich in vielen Formulierungen vom heutigen Hochdeutsch; etwas Ahnung musste man schon haben, wenn man alles verstehen wollte. Vielleicht sollte man auch gar nicht so deutlich erkennen, wer Dr. Faust und wer Mephisto war, denn beide verschmelzen oft zu einer Person.

Im zweiten Teil wurde es auch für diejenigen verständlicher, die „Faust“ noch nicht in der Schule besprochen hatten, da hier hauptsächlich Dr. Faust und Gretchen sprachen. Hier war die Mimik des Schauspielers ein guter Hinweis darauf, um wen es sich handelte. Auch um was es sich handelte, war deutlich: Um Liebe und Begehren eben. Da hat sich auch in 200 Jahren nicht viel verändert.

Das Stück dauerte, unterbrochen durch eine kurze Pause, 80 Minuten und stellt eine große Herausforderung für einen Schauspieler dar, der Herr Lieb in vollem Umfang gerecht wurde, was der Beifall der 113 Zuschauer bewies. Lieb äußerte seine Hoffnung, dass einige, die im Augenblick nicht viel damit anfangen konnten, vielleicht jetzt Lust auf den Faust bekommen hätten.

Danach stand er noch für Fragen der Schüler und Schülerinnen zur Verfügung. Dabei ging es um das Lernen eines so langen Textes bis hin zum Beruf des Schauspielers. Auch konstruktive Kritik an der Aufführung wurde geübt, die sich Lieb, so versprach er, zu Herzen nehmen würde.

Alles in allem war es ein kurzweiliger Vormittag, was die verschiedenen Kommentare der Schülerinnen und Schüler zeigen.

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Folgendes äußerten die Schülerinnen und Schüler in der Nachbesprechung:

„Eine interessante Idee. Gut gespielt!“

„Wir fanden es toll, dass er das Publikum mit einbezogen hat.“

„Manchmal war es schwer zu verstehen, wenn man das Buch nicht gelesen hatte.“

„Es war sehr unterhaltsam.“

„Teilweise verwirrend, da nicht immer klar war, wer Mephisto und wer Faust war.“

„Die Vorstellung hat uns gefallen. Sie war amüsant und der Schauspieler überzeugte.“

„Also, ich fand es vor allem am Anfang sehr verwirrend, zu erkennen, welche Figur er gerade spielt. Doch nach einer Weile konnte man sich gut in das Geschehen hineindenken, sodass ich mich sogar an Parallelen der Endfassung erinnern konnte. Seine Interaktion mit dem Publikum fand ich erfrischend und sie verlieh dem trockenen Stück Charakter.“

„Ein sympathischer Schauspieler, gut gespielt, jedoch manchmal schwer zu erkennen, wen er gerade spielt.“

„... Es war schwer zu folgen. ( ... ) Nichtsdestotrotz bin ich gespannt auf die Lektüre in der 11. Klasse“

„Die Vorführung war gut zur Wiederholung des Inhalts des Stücks.“

„( ... ) Insgesamt war es eine gelungene Abwechslung zum normalen Deutschunterricht.“