Senefelder-Schule

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Schule ohne Rassismus

TK-Logo„Nicht gewartet, sondern gehandelt"

Senefelder-Schule erhält Limpert-Preis und ist „Schule ohne Rassismus":
Alle drei Schulzweige befassten sich mit Fremdenfeindlichkeit und Zivilcourage – Lob für Kundgebung 2011

Treuchtlingen - Die Treuchtlinger Senefelder-Schule ist eine „Schule ohne Rassismus" und „Schule mit Courage". Der Verein „AktionCourage" nahm die Gesamtschule diese Woche mit einem Festakt in das bundesweite Anti-Diskriminierungs-Netzwerk auf. Für ihre Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit – von der Demonstration gegen rechte Propaganda im Dezember 2011 über eine Umfrage zum Pappenheimer Asylbewerberheim bis hin zur Bewerbung um den AktionCourage-Titel – hatten die Schüler bereits Ende April den Robert-Limpert-Preis erhalten.

SOR
Koordinator Bertram Höfer und Schulpate Stefan Peters (1./2. von rechts) überreichten die „Schule ohne Rassismus"-Tafel an die sechs Schülersprecher.
Foto: Patrick Shaw, Treuchtlinger Kurier

Initiatoren des an insgesamt zwölf Schulen verliehenen und mit 3000 Euro dotierten Limpert-Preises sind die Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken und der Verein „Wir gegen Jugendkriminalität". Für sie sprach Heinz Kreiselmeyer, der beeindruckt war, „was Ihr hier wirklich macht und nicht nur diskutiert". Die Senefelder-Schüler hätten insbesondere nach den rechten Schmierereien, Flugblättern und Übergriffen im Herbst 2011 „nicht gewartet, sondern gehandelt und gezeigt, was sie von neonazistischen Anfängen halten. Dieses Verhalten fanden wir vorbildlich."

Der Robert-Limpert-Preis ist nach dem gleichnamigen Ansbacher Schüler benannt, der 1943 wegen seiner offenen Ablehnung der NS-Diktatur aus dem dortigen Gymnasium ausgeschlossen wurde und 1945 mit Freunden in den Widerstand ging. In den letzten Kriegstagen rief er mit Flugblättern zur Kapitulation auf und durchtrennte während des Anmarschs der Amerikaner das Telefonkabel des städtischen Kampfkommandanten, um den Befehl zum bedingungslosen Durchhalten zu verhindern. Dabei beobachteten ihn zwei Hitlerjungen und verrieten ihn. Limpert wurde am 18. April 1945, wenige Stunden vor dem Einmarsch der Amerikaner, am Ansbacher Rathaustor gehängt.

Den Jüngsten ein Vorbild

Sein Vorbild hatten sich im vergangenen Jahr auch die Treuchtlinger Senefelder-Schüler zu Herzen genommen. So hatten die Realschüler eine Präsentation erstellt, um den Fünft- bis Siebtklässlern Ursprünge, Hintergründe und die anhaltende Brisanz von Rassismus und Nationalismus näherzubringen. Die Gymnasiasten hatten einen Neonazi-Aussteiger an die Schule geholt, der den Acht- und Neuntklässlern über seine einstigen Motive und Erfahrungen, den Ausstieg mit Hilfe der Organisation „Exit" und sein heutiges Engagement gegen Rechtsradikalismus berichtete. Und die Mittelschüler hatten mit Broschüren und einer mannsgroßen „Weltkarte ohne Grenzen" für Frieden und Völkerverständigung geworben.
Zusätzlich hatte die Klasse 8dM in Pappenheim 255 Bürger nach ihrer Meinung zum dort geplanten Asylbewerberheim gefragt. Das Ergebnis, das die Schüler auch Bürgermeister Uwe Sinn zur Verfügung stellten, ließ aufhorchen: 37 Prozent der Befragten waren für das Heim, nur ein Prozent weniger dagegen.

Demo Dez11
„Wir sind bunt!"-Demonstration von Dezember 2011.  Foto: Archiv

„Alltäglicher Rassismus ist mitten unter uns", warnte Heinz Kreiselmeyer in diesem Zusammenhang. „Und die zunehmenden sozialen Ungleichheiten verschärfen die Lage." Die Senefelder-Schule zeige dagegen, „worauf es ankommt: einfühlsam für Benachteiligte einzutreten". Dies spiegle sich nicht zuletzt in der Schülermitverwaltung wider, die zu zwei Dritteln aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund besteht – darunter zwei Türken und eine junge Kurdin, die sich trotz der Spannungen zwischen ihren Völkern gut verstehen.

AktionCourage-Regionalkoordinator Bertram Höfer nahm den Schülern das Versprechen ab, „aufmerksam zu sein, anderen zu helfen und Rassismus und Mobbing nicht zu tolerieren". Als „Schule ohne Rassismus" sei die „Sene" nun Teil des bundesweit größten Schülernetzwerks (www.schule-ohne-rassismus.org). So sei der Titel auch „kein Preis, sondern eine Anerkennung für das bisher Geleistete. Der Weg ist damit nicht zu Ende, sondern hat gerade erst begonnen."
Bürgermeister Werner Baum gratulierte den Schülern im Namen der Stadt und des ebenfalls anwesenden Landratsstellvertreters Robert Westphal. Gerade in den vergangenen Wochen vor dem 1. Mai seien die Rechten in Treuchtlingen und Umgebung wieder mit Flugblättern und Aufklebern „sehr aktiv gewesen". Dabei richte sich die Propaganda neuerdings verstärkt an junge Mädchen. „Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben", betonte Baum.

Zum Schluss sprach „Schulpate" Stefan Peters, der vor 30 Jahren selbst Senefelder-Schüler war. Dort habe sich seither fast nichts verändert – „aber das Leben hat sich verändert". Als Musiker und Produzent sei er „in den Bierzelten stets ganz vorn mit dabei" und merke, dass „die Stimmung aggressiver geworden ist und zu oft weggeschaut wird. Freiheit und Demokratie gehen kaputt, wenn wir sie nicht pflegen", so Peters.