Senefelder-Schule

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„Lesung“ der besonderen Art 2016

Urs M. Fiechtner zu Gast an der Senefelder-Schule

Am ersten Tag nach den Herbstferien besuchte der freiberufliche Autor, Jugendbuchautor und Menschenrechtsaktivist Urs M. Fiechtner unsere Schule im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".

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Da Urs M. Fiechtner nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, sondern auch ein sehr guter und feinsinniger Erzähler ist, trat das von ihm geschriebene Wort seines als Autorenbegegnung geplanten Schulbesuches in den Hintergrund. Er erklärte seinen Zuhörern schon am Anfang seiner Ausführungen, dass er lieber erzähle und diskutiere, als aus seinen Büchern vorlese.

Urs M. Fiechtner, geboren im Jahr 1955 in Bonn, erzählte von seiner in Lateinamerika verbrachten Jugend, teilweise umgeben von alten Nazis, die nach dem Zweiten Weltkrieg dorthin geflüchtet waren. Packend schilderte er, wie dieses Umfeld ihn schon in jungen Jahren prägte und seine Kritikfähigkeit schärfte. Wieder in Europa, wurde er zum großen Verfechter der Menschenrechte, der sich schon als Vierzehnjähriger, als er sich mit ihnen beschäftigte, wunderte, ob das, was in der europäischen Menschenrechtskonvention steht, der „Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms“, erlassen vom Europarat im Jahre 1950 und drei Jahre später verabschiedet, nicht als moralische Basis grundsätzlich in jedem Menschen verankert sein sollte. Ausgelöst durch in großen Teilen der Welt herrschende Unterdrückung, Folter, Bestrafung bis hin zur Hinrichtung Andersdenkender und einer offensichtlichen Zunahme von Diktaturen wurde er bald eines Besseren belehrt. Dies war für ihn der Anstoß, sozialkritische Bücher zu schreiben, die sich mit diesen Themen beschäftigen. Empfohlen sei hier der im Jahre 2008 erschienene Roman „Annas Geschichte“, der von einer jungen Frau handelt, die, da sie sich in südamerikanischen Slums engagiert, von der Geheimpolizei verhaftet wird.

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Urs M. Fiechtner engagiert sich seit 1970 bei „Amnesty International“. Deshalb bekommt er natürlich viele Informationen über Staaten, die es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen oder sie auch gänzlich missachten. Daraus zieht er auch die Stoffe für seine dokumentarisch aufgebauten Romane. Grundlagen für seine Bücher sind also immer reale Vorkommnisse, eingewoben in eine Romanhandlung, was das Lesen und das Verstehen seiner Werke erleichtert. Er zitiert Bertolt Brecht: „Flüchtlinge sind Menschen, die Geschichten über Grenzen tragen“. Urs Fiechtner ergänzt: „Man muss diesen Menschen auch zuhören, wenn sie ihre Geschichten erzählen, nur dann kann man verstehen“.   

Auch auf die sogenannte „Flüchtlingskrise“ ging er ein. Seiner Meinung nach leiden nicht wir, denen es besser geht als vielen anderen auf der Welt, unter dem in den letzten beiden Jahren erfolgten Zustrom Verfolgter, sondern es sind gerade diese, die bei uns Schutz suchen, die darunter leiden, ihre Heimat verlassen zu müssen, da sie dort unter lebensunwürdigen Bedingungen leben mussten. So gehören nach seinen Worten Begriffe wie „Flüchtlingskrise“, „Flüchtlingswelle“, „Flüchtlingsproblematik“ oder „Obergrenze“ nicht in unseren Sprachgebrauch. Als ein Land, in dem christliche oder moralische Werte – zumindest noch – einen hohen Stellenwert genießen, sollten wir alles tun, um solchen Menschen zu helfen. Gerade bei der unrühmlichen Vergangenheit Deutschlands sollten wir uns die Frage, ob wir unseren Teil zur Rettung dieser Verfolgten beitragen sollten, immer mit einem deutlichen „Ja“ beantworten. Dass dann bei den Zugezogenen auch Kriminelle sein werden, ist normal. Deren Prozentsatz sei jedoch auch nicht höher als bei der deutschen Bevölkerung. Diese Personen müsse man natürlich herausfinden und bestrafen.

Die Schülerinnen und Schüler der Senefelder-Schule lernten in Urs. M. Fiechtner einen Menschen kennen, der sich die Einhaltung der Menschenrechte und den Kampf für diese auf seine Fahne geschrieben hat. Sie erlebten einen Autor, der sich auch über seine berufliche Arbeit hinaus für notleidende Menschen einsetzt.  

Die Aufforderung des Autors, Fragen zu stellen und mit ihm zu diskutieren, wurde während der zwei kurzweiligen 90-minütigen Lesungen von den Schülerinnen und Schülern der Klassen 10 G (Ethik), 10 cR, 10 aM, 9 bG sowie der Q 11 sehr gut angenommen und es entwickelte sich eine rege Diskussion zu den einzelnen Themenbereichen.

Am Schluss gab es großen Applaus für einen besonderen Menschen.

Ein großer Dank zum Schluss an die Jugendhilfe sowie an den Lions Club, die Herrn Fiechtners Besuch an unserer Schule unterstützten.

Das meinten die Schülerinnen und Schüler:

  • Die Lesung von Fiechtner war sehr interessant aufgrund der Möglichkeit, Fragen zu stellen, die aktuelle Themen betreffen. Ich hatte bei der Lesung erst einen anderen Inhalt erwartet, bin jedoch positiv überrascht worden.
  • Die Lesung war sehr gut, da sie interaktiv und sehr lehrreich war und über aktuelle und interessante Themen gesprochen wurde.
  • Mir hat die Lesung gefallen, weil Herr Fiechtner seine Position gut und interessant erklären konnte. Es würde mich freuen, wenn er nochmals käme.
  • Die Lesung von Fiechtner hat mir nicht so gefallen, da es durch lange Antworten langweilig wurde und ich erwartet hatte, dass Fiechtner etwas von seinem Buch vorliest.
  • Mir hat der Vortrag sehr gut gefallen, weil es keine langweilige Vorlesung war, im Gegenteil, er hat interaktiv mit den Punkten agiert und ich denke, jeder hat etwas bei dem Vortrag gelernt.
  • Habe es mir anders vorgestellt, fand es aber sehr interessant.
  • Obwohl man zuerst etwas anderes erwartet hat, bezog sich die Vorlesung auf ein sehr aktuelles und interessantes Thema.
  • Ich würde mir den Vortrag nicht noch einmal ansehen, da ich mich nicht wirklich für das Thema interessiere. Aber ich denke, es könnte ein interessanter Vortrag sein, wenn man sich für das Thema interessiert.
  • Ich fand die Lesung interessant, da sie sich mit den aktuellen Themen der Zeit (z.B. Flüchtlinge) auseinandersetzte. Manche Antworten auf Fragen der Schüler waren jedoch zu weit ausgeholt.
  • Ich fand den Vortrag über Menschenrechte sehr gut, da man wirklich viel Neues erfahren konnte und es sehr interessant war, etwas anderes zu lernen und zu erfahren, wie Gerechtigkeit funktioniert.