Senefelder-Schule

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Dreamland Deutschland

Lesung und Diskussion mit Antonie Rietzschel

Folgende Klassen nahmen teil: 10 a/b/E G, 9 bG, 9 eM, 10 bM, 10 aM, 10 aR

Am 16. Februar besuchte die  Autorin Antonie Rietzschel, im Hauptberuf Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung,  die Senefelder-Schule, um vor den oben angeführten  Klassen aus ihrem Buch „Dreamland Deutschland?“ zu lesen, einer Dokumentation über zwei Flüchtlingsschicksale.

Kurz zum Inhalt:
Im Mai 2014 fuhr die Autorin im Auftrag der Süddeutschen Zeitung nach Mailand, um über die Ankunft von Flüchtlingen zu berichten, die dort vorübergehend betreut werden sollten. Eine Flüchtlingshelferin, der sie ihren Auftrag kurz schilderte, stellte ihr nach kurzer Zeit die beiden syrischen Brüder Yousef und Mohanad vor, deren Ziel die Bundesrepublik Deutschland war.

Ritzschel Dreamland 01

Antonie Rietzschel, die die jungen Flüchtlinge unterstützen wollte, fuhr mit den beiden im Zug von Mailand über  Verona in Richtung Brenner. Dort angekommen wurden die Brüder – obwohl sie dachten, mit ihren Sonnenbrillen, die sie sich zuvor besorgt hatten, sähen sie aus wie Italiener – von der Grenzpolizei aus dem Zug geholt. Ab da verlor Antonie Rietzschel vorerst den Kontakt zu ihnen. Erst einige Monate  später konnte sie die Brüder auf Facebook ausfindig machen und sie in Dortmund, wohin es sie verschlagen hatte, wieder treffen.

Ab da begleitete sie Yousef und Mohanad über einen Zeitraum von einem Jahr und beschreibt in ihrem Buch sehr anschaulich, welche Vorstellungen die Neuankömmlinge von ihrem „Traumland Deutschland“ hatten und wie sie ihre Erwartungen herunterschrauben mussten.

Die Spanne ihrer Schilderungen reicht von beruflichen Ansprüchen, also dem erhofften Aufstieg im Berufsleben, bis zur Behandlung durch ihre deutschen Freunde und Helfer, die in ihnen nicht zwei junge intelligente Männer, sondern eher hilfsbedürftige Kinder sahen, was auch vor ihrer Privatsphäre nicht Halt machte. Auch dachten die Brüder oft, sie würden beobachtet, also trotz gut gemeinter Hilfe  auch als Eindringlinge gesehen. Antonie Rietzschel stellt in ihrem Buch uns bekannte und verallgemeinernde Flüchtlingsinformationen der täglichen Wirklichkeit gegenüber, die sehr oft anders aussieht.

Mohanad, der Jüngere, studierter Maschinenbauingenieur, musste lernen, dass man ihm nicht gleich eine Stelle als leitender Angestellter anbot, sondern dass er eigentlich von vorne anfangen musste, um beruflich Fuß zu fassen und seine Qualifikation zu beweisen. Er möchte wieder nach Syrien zurück, sobald die politischen Verhältnisse es erlauben, und dabei helfen, sein Land wieder aufzubauen.
Yousef dagegen, der desertierte Soldat der syrischen Armee, bekam eine Stelle als Sozialarbeiter im westfälischen Oelde. Er hat vor,  in Deutschland zu bleiben, hier zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Antonie Rietzschel hat  auch heute noch regen Kontakt zu ihren syrischen Freunden und trifft sie regelmäßig.

Ihr gelang mit ihrem Buch ein sehr anschauliches Bild über das Einwanderungsland Deutschland und die täglich erlebte Wirklichkeit innerhalb der Flüchtlingsszene. Manch einer fragt sich dann beim Lesen, was mit den Hunderten von Flüchtlingen passiert ist, die in der Turnhalle der Senefelder-Schule untergebracht waren. Ist es ihnen vielleicht auch so ergangen?

An der anschließenden Fragerunde beteiligten sich die anwesenden Schülerinnen und Schüler sehr rege.

Das Buch „Dreamland Deutschland“, das die Flüchtlingsproblematik anhand zweier junger Syrer sehr anschaulich beschreibt, sei Interessierten hier wärmstens empfohlen.

Großer Dank gebührt dem örtlichen Lions-Club, der diese Lesung an unserer Schule ermöglichte.

Barbara Seubert


Das meinten einige Schülerinnen und Schüler zur Lesung:

Gut:

  •        Aus einer anderen Sicht als die Nachrichten
  •        Genaue Geschichte über die Reise und Probleme in Deutschland
  •        Es ist interessant, die Geschichte eines ehemaligen Soldaten zu hören und mitzubekommen, wie seine Situation war.

Die Lesung war sehr aufschlussreich. Man konnte in die Welt eines Flüchtlings super eintauchen.

Ich fand die Lesung sehr interessant und informativ. Im Gegensatz zu Videos und Nachrichten berichtete die Journalistin von den Gedanken, Vorstellungen und  Träumen von Flüchtlingen, die man dadurch als Menschen mit einer sozialen Identität wahrnimmt.

Ritzschel Dreamland 02