Senefelder-Schule

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Schulleben Schüleraustausch Ungarn - Bonyhàd 20 Jahre Schüleraustausch

20 Jahre Schüleraustausch

20 Jahre Schüleraustausch mit Ungarn

Bericht einer ehemaligen Schülerin von der Jubiläumsfeier

„Es war einmal…“ – so beginnen viele Märchen und für vier ehemalige Austauschschülerinnen ist letztes Wochenende ein kleines Märchen wahr geworden.

Es war einmal… vor 19 Jahren, als sich die zweite Ungarn-Austausch-Gruppe der Senefelder-Schule 1991 aufmachte Richtung Bonyhád. Mit dabei: vier Teenager, die neugierig waren auf ein für sie total unbekanntes Land und danach total begeistert zurückkamen. Deshalb war für uns (inzwischen Mitt-Dreißigerinnen) sofort klar, als wir den Artikel über das anstehende 20-jährige Jubiläum in der Zeitung gelesen hatten, in dem Mitfahrer angesprochen waren: Wir sind dabei!

Und so ging es dann auch los, als der Bus am Donnerstag, den 9. September 2010 um sechs Uhr morgens in Treuchtlingen startete. „Weißt Du noch…“ war wohl der häufigste Satz dieser vier Tage – und sehr zum Leidwesen der anderen Mitfahrer (die sicher gerne noch ein bisschen geschlafen hätten) nahm das „Gegacker“ in der letzten Reihe kein Ende. Es gab einfach zu viel zu erzählen! Es ist auch faszinierend, wie viele Erinnerungen wieder wach werden, wenn man sich über früher unterhält – plötzlich kann man sich an so vieles doch wieder erinnern.

Auf den ersten Blick hat sich in Bonyhád sehr viel verändert: Gleich am Ortseingang gibt es Lidl, Penny, dm und Aldi, auch Rossmann haben wir in der Stadt entdeckt. Ich erinnere mich noch genau, als mich meine Gasteltern damals in das neu erbaute Kaufhaus führten und mir ganz stolz präsentierten, was es denn jetzt bei ihnen – so kurz nach der Wende – alles gab. Ich verstand die Aufregung nicht ganz, denn „unser“ Hörnlein in Weißenburg damals hatte die dreifache Größe und einiges mehr zu bieten. Das war ein Punkt von vielen damals, der uns „verwöhnten“ Teenagern deutlich machte, dass eben nicht überall der gleiche Luxus herrschte wie in Westdeutschland. Und auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als wäre im modernen Ungarn der Standard dem unseren angepasst, erkennt man bei genauerem Hinsehen doch, dass es schon noch viele Unterschiede gibt zu Deutschland.

kantine_klAber eines hat sich – trotz neuem Wohlstand – nicht verändert: Die ungarische Gastfreundschaft ist immer noch so herzlich und überwältigend wie damals. Wir wurden von unseren Gastgebern (egal, ob in der Pension, der Schule oder im Rathaus) immer mit offenen Armen empfangen und kulinarisch verwöhnt.

Der erste Abend in unserer Pension verlief recht lustig und weinselig. Es war für uns Ex-Schüler interessant, einmal die Sicht der ehemaligen Lehrer zu erfahren und was sich denn da so manches Mal „hinter den Kulissen“ abgespielt hatte. Ich denke, genauso erging es aber auch den Lehrern, als wir unsere „Geheimnisse“ von damals auspackten. Es gab auf jeden Fall sehr viel zu lachen.

Am Freitag stand dann das auf dem Programm, worauf wir vier uns am meisten freuten: der Besuch des Petöfi-Gymnasiums! Wir waren sehr gespannt, was sich alles verändert hat und ob wir noch jemanden wiedererkennen würden von damals. Es war ein tolles Gefühl, nach 19 Jahren wieder einmal in dieser Schule zu sein und vieles war uns wohlbekannt. Wir haben auch ein paar Lehrer von damals wieder getroffen und erkannt, wenn auch leider keine unserer damaligen Brieffreundinnen anwesend war. Die Neugestaltung des Gartens und der Sporthalle fanden wir sehr beeindruckend, vor allem aber waren wir uns einig, dass es eindeutig besser ist, in der neuen Kantine zu speisen als im „Schwimmbad“ – so hatten wir den alten Speisesaal damals genannt. Über diesen haben wir in den vergangenen Jahren wohl mit am häufigsten gesprochen. Und auch das Essen hat sich sehr zum Positiven verändert! Die neue Sporthalle ist ebenfalls sehr beeindruckend und es war total lustig, sich wieder mal im Hochsprung zu üben. Das habe ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gemacht!

bonyhadsong_klDanach kam dann der offizielle Teil im Rathaus und nachmittags in der Schule, natürlich mit viel Essen dazwischen! Abends wurde dann wieder in lustiger Runde in unserer Pension zusammen gesessen. Diesmal waren auch viele ungarische Lehrer anwesend. Für uns das Schönste: Wir haben den Lehrer Josef Nikodemus wieder getroffen, der uns vor 19 Jahren schon mit seiner Herzlichkeit und seinem Humor beeindruckt hat. Alle Schülerinnen bekamen damals ein Körbchen, geschnitzt aus einer Walnussschale, von ihm und wir haben festgestellt, dass jede von uns vier es immer noch zuhause hat. Das zeigt wohl sehr deutlich, wie sehr wir ihn damals in unser Herz geschlossen haben. Und als wir ihn dann Freitagabend in der Pension wieder trafen – unverändert im Aussehen und mit einer großen Ladung an neuen, geschnitzten Walnusskörbchen – waren wir total begeistert! Das war für uns wohl einer der emotionalsten Augenblicke dieser Tage!

Und an diesem Abend „mussten“ wir vier dann auch mal ran und ein bisschen was zum Programm beitragen (als wären unser „Gegacker“ und unsere Lachanfälle nicht schon unterhaltsam genug gewesen…). Frau Rauscher hat es doch tatsächlich fertig gebracht, unser Bonyhád-Lied von damals aufzuheben und mitzubringen! Dieses Lied haben wir damals anlässlich der Abschiedsfeier alle gemeinsam gedichtet und gesungen. Und so wurden wir vier „überredet“, dieses nochmals vorzutragen. Es wurden vorab noch kurz ein paar lustige Geschichten von damals erzählt, damit die, welche nicht mit dabei gewesen waren, auch den Hintergrund des Liedes verstanden, was natürlich auch wieder zu großem Gelächter führte, schon bevor wir sangen. Zum Glück hatten wir Silke Schebitz in unserer Gruppe, welche ja als talentierte Sängerin weit über Treuchtlingen hinaus bekannt ist und auch die vier Tage oftmals mit ihrer Wahnsinns-Stimme bereichert hat! Und der ungarische Wein vorab hat natürlich auch ein bisschen geholfen, die Zungen zu lösen. Ich denke, wir haben uns einigermaßen gut geschlagen.

Am Samstag ging´s dann wie vor 19 Jahren in die Stadt Pécs zu einer Stadtbesichtigung. Auch hier merkt man sehr deutlich, dass sich viel getan und verbessert hat.

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Da aus unserer geplanten Weinprobe im Weinkeller von Schuldirektor Ónodi wegen des starken Regens leider nichts wurde, haben die ungarischen Lehrer kurzentschlossen ein Büffet in der Kantine aufgebaut und uns dorthin eingeladen. Und auch hier waren wir wieder total überwältigt von der Gastfreundschaft und dem tollen Essen! Es wurde ein sehr lustiger und musikalischer Abend und wir haben sogar etwas dabei gelernt – nicht nur ungarische Trink- und Volkslieder! Herr Ónodi hat uns nämlich mit Weißwein aus seinem eigenen Weinkeller verköstigt und uns eine kurze Einführung in die Kunst des Weinkelterns gegeben. Zu später Stunde haben wir uns dann schweren Herzens von unseren ungarischen Freunden verabschiedet und sind gemeinsam in lustiger Runde zusammen zu unserer Pension zurück gelaufen.

Und so ging´s dann am Sonntagmorgen – mit dem für diese Reise typischen Schlafmangel – um sechs Uhr morgens ja leider schon wieder zurück Richtung Heimat. Und es geschah doch tatsächlich noch ein Wunder: Endlich, nach vier langen Tagen, kehrte auch in der letzten Reihe des Busses für kurze Zeit Ruhe ein - wir sind eingeschlafen! Alle anderen im Bus haben wahrscheinlich „drei Kreuzchen“ gemacht…!

Für uns sind diese vier Tage viel zu schnell vergangen und wir haben es genossen, noch einmal an diesen – für uns – sehr wichtigen Ort Bonyhád zurückzukehren. Etwas schade fanden wir es, dass wir leider keine unserer damaligen Schüler trafen. Ich bin meines Wissens die einzige, die noch regelmäßig Kontakt zu ihrer Brieffreundin hat. Sie konnte leider nicht kommen, da sie inzwischen in Budapest wohnt und arbeiten musste. Aber mit Hilfe einer Lehrerin, die eine ehemalige Klassenkameradin unserer Partnerinnen war, gelingt es vielleicht, den Kontakt zu den anderen dreien wieder herzustellen. Es war jedenfalls sehr interessant zu erfahren, was aus ihnen geworden ist. Vielleicht gibt es dann ja beim nächsten Besuch ein Wiedersehen; denn eins steht fest: wir sind wieder mit dabei!

Danke für die schöne Zeit und dass wir uns vier Tage lang nochmals wie „Teenager“ fühlen durften!

Silke Huber (damals Föttinger)

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